2022-08-09-Depressionen
Quelle: mprietou / pixabay.com

Depressionen bei Schülern nehmen zu

Die Lockdown-Maßnahmen infolge der Corona-Pandemie haben massive negative Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche. Das ist eigentlich nichts Neues, denn Mediziner warnen schon seit einiger Zeit vor den verheerenden Folgen von Homeschooling und Distanzunterricht. Doch nun belegt eine aktuelle Analyse der DAK-Krankenkasse für ihren Kinder- und Jugendreport 2022 die massiven Folgen der Pandemie für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Demnach nahmen im Jahr 2021 insbesondere Depressionen und Essstörungen bei Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren weiter deutlich zu.

Dem Report zufolge leiden vor allem Mädchen im späten Teenageralter besonders intensiv unter den Auswirkungen der Pandemie. Wie die DAK berichtet, mussten Mädchen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren über 32-mal so häufig wegen Essstörungen stationär behandelt werden wie Jungen – ein Trend, der sich demnach während der Pandemie noch verschärfte. So erhöhte sich der Anteil junger Patientinnen mit Essstörungen 2021 um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zudem kamen sie 5-mal öfter wegen Depressionen, 3-mal häufiger wegen Angststörungen und 2,5-mal öfter aufgrund von emotionalen Störungen in hiesige Kliniken.

Der aktuelle Report offenbare, wie dramatisch sich die Lage verschärft habe und wie sehr Jungen und Mädchen in der Pandemie litten, kommentierte der Vorstandschef der DAK-Gesundheit, Andreas Storm, die Ergebnisse der Untersuchung. Der starke Anstieg bei Depressionen oder Essstörungen sei ein „stiller Hilfeschrei, der uns wachrütteln muss“, mahnte Strom.

28 Prozent mehr 15- bis 17-Jährige mit Depressionen

Laut der Analyse nahmen 2021 die Behandlungszahlen von Jugendlichen mit Depressionen und Essstörungen im Vergleich zum Vorjahr spürbar zu: So kamen 28 Prozent mehr 15- bis 17-Jährige mit Depressionen und 17 Prozent mehr ältere Teenager mit Essstörungen in die Kliniken. In Relation zu 2019 – vor Corona – stiegen die Krankenhausaufenthalte 2021 bei Essstörungen demnach sogar um 40 Prozent. Und wegen emotionaler Störungen mussten 2021 rund 42 Prozent mehr 15- bis 17-Jährige stationär versorgt werden. Zu den emotionalen Störungen zählen insbesondere Ängste, soziale Ängstlichkeit, aber auch phobische Störungen. Diese Fallzahlen blieben aber unter denen depressiver Episoden und Essstörungen, wie berichtet wurde.

Ähnliche Tendenzen waren demnach ebenfalls bei den Schulkindern im Alter zwischen 10 und 14 Jahren zu verzeichnen. Hier nahmen vor allem stationäre Behandlungen aufgrund von Depressionen um 27 Prozent zu, bei Angststörungen gab es einen Zuwachs um 25 Prozent und bei Essstörungen ein Plus von 21 Prozent.

Auch eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) weist aus, dass die Zahl der Jugendlichen mit Symptomen einer Depression im ersten Corona-Lockdown-Jahr deutlich zunahm. Durch die Pandemie seien rund 477.000 Jugendliche im Alter von 16 bis 19 Jahren zusätzlich von depressiven Symptomen betroffen worden, erklärte BiB-Forschungsdirektor Dr. Martin Bujard bei der Vorstellung der Studie. Dazu verweist das BiB auf Analysen aus dem deutschen Familienpanel Pairfam, die demnach darauf hindeuten, dass nach dem ersten Lockdown (Mai/Juni 2020) rund 25 Prozent der Jugendlichen eine deutliche Symptomatik von Depressivität aufwiesen. Im Jahr vor der Pandemie habe das lediglich 10 Prozent dieser Altersgruppe betroffen, stellt das BiB fest.

Schulen offenhalten, um psychische Belastung nicht zu verstärken

Die Auswirkungen von Schulschließungen auf die psychische Gesundheit der Kinder und Jugendlichen seien offensichtlich gravierender als bisher angenommen, kommentierte Dr. Martin Bujard vom BiB die Analysen. Denen zufolge sollen jugendliche Mädchen und Jugendliche mit Migrationshintergrund häufiger von psychischen Beeinträchtigungen infolge der Pandemie betroffen sein. Das Offenhalten der Schulen sollte aus Sicht von Dr. Bujard hohe Priorität haben, damit sich die psychische Belastung und die Lernrückstände nicht noch weiter verstärken können.

Doch die Pandemie und ihre Folgen in Form von Homeschooling und Distanzunterricht führten bei Kindern und Jugendlichen nicht nur zu Bildungsdefiziten und zu Belastungen der körperlichen sowie psychischen Gesundheit, sondern auch zu Störungen bei der Persönlichkeitsentwicklung, wie die einschlägigen Studien ergaben. In dem Zusammenhang hebt das BiB ganz konkret hervor, dass die Zeit für schulische Aktivitäten sich während des ersten Lockdowns halbiert und im zweiten Lockdown bei durchschnittlich rund 60 Prozent gelegen habe. Damit konnten die Kinder und Jugendlichen demnach unterschiedlich umgehen: Einige vermochten im Distanzunterricht relativ gut zu lernen, andere wurden besonders stark abgehängt. Bei einigen vulnerablen Kindern hätten sich die Lernrückstände und die psychischen Beeinträchtigungen möglicherweise wechselseitig verstärkt, meint Bujard.

3-10 Prozent aller Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren leiden an einer Depression.

Die Konsequenz aus diesen Erfahrungen dürfe nun nicht allein in Überlegungen bestehen, wie die während Corona entstandenen Lern- und Bildungseinbußen bei Kindern und Jugendlichen wieder aufgeholt werden können, fordern Fachleute. Sie plädieren vielmehr für verstärkte Forschungsanstrengungen bei Depressionen allgemein, weil sich dieses psychische Leiden unterdessen zur „Volkskrankheit“ entwickelte, sowie bei Kindern und Jugendlichen im Besonderen. Und das nicht nur, weil bei dieser Altersgruppe während der Pandemie die depressiven und Angst-Störungen massiv zunahmen. Immerhin sollen nach Angaben der Stiftung Deutsche Depressionshilfe leichte depressive Verstimmungen bis hin zu schweren depressiven Störungen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen gehören. Aktuell erkrankten etwa 3-10 Prozent aller Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren an einer Depression, berichtet die Depressionshilfe.

Um diese Problematik anzugehen, fordern unterdessen bayerische Schüler von der Politik mehr Einsatz gegen seelische Erkrankungen und mehr Aufklärung über Depressionen. Die Schüler setzen sich in einer Petition ganz konkret dafür ein, dass Lehrer bereits in ihrer Ausbildung über psychische Erkrankungen wie Depressionen geschult werden sollen. Außerdem müsse das Thema fest im Lehrplan verankert werden, heißt es weiter. Darüber hinaus fordern die Schüler, mehr Schulpsychologen und -sozialpädagogen einzustellen.

Quelle: Academic Society for Mental Health / Studiengesellschaft für die Gesundheit der Psyche e.V.

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